Fürther Landkreisnachrichten vom 3. November 2000
Bei Anruf Nachbarschaft
Zehn unabhängige Roßtaler beleben die „soziale Familien-Feuerwehr“ neu:
schnelle Hilfe, unbürokratisch und kostenlos
ROSSTAL - In Roßtal gibt es ab sofort wieder eine Nachbarschaftshilfe. Schnell, unkompliziert und kostenlos will die ehrenamtliche Initiative denen zur Seite stehen, die in irgendeiner Form Rat und Tat benötigen. Irmgard Schläger, 53 Jahre alt, Hausfrau und seit 25 Jahren in Roßtal ansässig, ist eine dieser hilfsbereiten „Menschen aus Ihrer Nachbarschaft“, wie sie sich selber bescheiden bezeichnen.
Wem genau bieten Sie Ihre Hand an?
Schläger: Jeder, der kurzfristig Hilfe benötigt, kann sich an uns wenden. Das reicht vom Babysitten, weil die Mutter schnell mal einen Arzttermin wahrnehmen will, bis zur stundenweisen Seniorenbetreuung, wenn sich die Angehörigen von älteren Pflegebedürftigen überlastet fühlen. Und wenn jemand einsam ist und nur mal reden will, kommen wir genauso vorbei und kümmern uns.
Was sind Ihre Beweggründe?
Schläger: Wir haben es uns zum Ziel gemacht, der Isolation unserer Zeit etwas entgegenzusetzen, den Alltag ein wenig menschlicher zu gestalten. Dabei arbeiten wir eng mit den beiden Sozialstationen im Ort zusammen, der Caritas und der Diakoniestation. Auch mit der Krebsselbsthilfegruppe stehen wir in Kontakt.
Die Ihnen unter Umständen professionellen Rückhalt geben können?
Schläger: Ja, manchmal müssen Erfahrungen ausgetauscht werden. Mir fällt da folgendes Beispiel ein: Wenn jemand, den wir betreuen, frisch aus dem Krankenhaus entlassen worden ist und nun in die Badewanne will, dann halte ich erst einmal Rücksprache mit den ausgebildeten Schwestern, ob er auch baden darf.
Die Nachbarschaftshilfe in Roßtal gibt es doch schon länger, oder?
Schläger: Bereits vor zehn Jahren haben sich Leute dafür zusammengefunden und waren auch bis 1999 aktiv. Die Initiative ist allerdings eingeschlafen, vor allem, weil Mütter aus der Familienarbeit wieder in den Beruf zurückgekehrt sind und keine Zeit mehr erübrigen konnten.
Sie mussten den Helferstab also neu aufbauen und organisieren.
Schläger: Wir sind inzwischen wieder zu zehnt. Wer gerade Zeit hat, hilft. Wir sind auch kirchlich nicht mehr gebunden, das war bei der ursprünglichen Nachbarschaftshilfe anders. Wir haben uns jetzt bewusst für eine ganz neutrale Gruppe entschieden und arbeiten nur unter der Schirmherrschaft des Marktes Roßtal.
Sind aber trotzdem kein Organ der Gemeinde?
Schläger: Nein, nein. Das hat nur verwaltungstechnische Gründe. Wir sind als Ehrenamtliche unfallversichert und dürfen auch Spendenquittungen ausstellen.
Stichwort Geld. Sie arbeiten doch völlig kostenlos?
Schläger: Ja. Wir haben keinen großen Verwaltungsaufwand, der finanziert werden muss. Trotzdem sind Spenden natürlich willkommen. Dafür leisten wir uns vielleicht mal ein Weihnachtsessen, oder es wird in Form von Kilometergeld ausbezahlt. Das Thema ist allerdings heikel. Wir haben schon die Erfahrung gemacht, dass es manchen Leuten gar nicht angenehm ist, unentgeltlich Hilfe zu beanspruchen.
Interview: JOHANNA SCHOLZ
Die Nachbarschaftshilfe ist unter folgenden Rufnummern zu erreichen:
Irmgard Schläger (0 91 27) 95 11 80,
Christa Kühne (0 91 27) 97 20 und
Siegfried Powilleit (0 91 27) 16 82.
Weitere Informationen bietet auch die Internetseite unter www.rosstal.de/selbsthi/nh.htm.
Spenden dürfen auf den Konten des Marktes Roßtal, Stichwort Nachbarschaftshilfe, eingezahlt werden, und zwar bei der
Sparkasse Fürth, Kto.-Nr. 362 665, BLZ 762 500 00, oder bei der
Raiffeisenbank Großhabersdorf-Roßtal, Kto.-Nr. 588 181, BLZ 760 685 98.
