Zahnstation »Markt Roßtal« in der Mongolei (Fotos)
Seit einigen Jahren bemühen sich engagierte Zahnärzte aus der Region Mittelfranken um die Zahngesundheit in so genannten Entwicklungsländern.
Nach Nepal, Sri Lanka und Rumänien wurde nun im August 2007 auch in der Mongolei Pionierarbeit geleistet.
Dr. Volker Schmidt aus Nürnberg und der in Roßtal lebende Zahnarzt Dr. Walter Niederalt begleitete den Gründer der Stiftung »Dentists without Limits« Dr. Claus Macher, Kieferorthopäde in Nürnberg, um zwei zahnärztliche Behandlungseinheiten einzurichten und in Betrieb zu nehmen.
Am Tag der Ankunft wurden wir gleich in des mongolische Landleben eingeführt. Es wurde eigens ein Schaf geschlachtet und ein Murmeltier zubereitet. Man genoss die beeindruckende Weite und Einsamkeit der mongolischen Landschaft. Der Erfolg eines ersten Ausritts auf mongolischen Pferden wurde anschließend gebührend mit Stutenmilch und Dschingis-Khan-Wodka bei einem Gesangswettbewerb zwischen deutschem und mongolischem Liedgut in der Jurte begossen. Höhepunkt des Tages war die Übergabe eines dreijährigen Rennhengstes als Symbol höchster Freundschaft an den Stiftungsgründer.
Am folgenden Tag besuchten wir die Christina-Noble-Stiftung, eine weltweite Initiative, die sich vorzugsweise um Straßenkinder kümmert. Dort zeigte man sich hocherfreut über das Hilfsangebot und leitete uns an die Armen-Klinik »Mother and Children Research« weiter. Dort hat die Christina-Noble-Stiftung eine Zahnstation mit drei Zahnarztstühlen eingerichtet, die aber nur von einer jungen Kollegin besetzt war. Unsere dreitägige Mitarbeit war vor allem wegen unserer mitgebrachten Anästhetika, eine Spende der Firma Aventis, sehr willkommen. Anästhetika sind noch Mangelware in der Mongolei. Wir behandelten vor allem Kinder und Jugendliche zwischen vier und 18 Jahren. Leider konnten die meisten Zähne nicht mehr erhalten werden, so dass immer wieder zum spärlich vorhandenen Extraktions-Instrumentarium greifen mussten.
Am fünften Tag fuhren wir nach Zuunmod, einem von der Hauptstadt Ulan Bator etwa 40 km entfernt gelegenem Ort im Süden mit mehr als 10000 Einwohnern. Dort begutachteten wir die letzten Arbeiten an der von der Stiftung DWL neu eingerichteten zahnärztlichen Behandlungseinheit. Diese wurde am folgenden Tag feierlich eingeweiht, nachdem wir vom Gouverneur des Zentral-Aimags im Rathaus herzlich empfangen worden waren. Außerdem regte der Gouverneur eine engere freundschaftliche Bindung zwischen den beiden Städten Nürnberg und Zuunmod an. Die errichtete Zahnstation ist die einzige in einem Einzugsgebiet von ca. 82000 Einwohnern. Die Patienten standen bereits Schlange, nachdem sich die Nachricht über die neue Zahnstation wie ein Lauffeuer verbreitet hatte. Bei den kleinen Patienten sorgten vor allem die mitgebrachten und von der Firma Novartis gespendeten Plüschtiere, Kugelschreiber und Schirmmützen für große Freude und halfen die Angst vor den fremden „langnasigen“ Zahnärzten schnell zu überwinden.
Am nächsten Tag wurden wir nach getaner Arbeit vom mongolischen Außenminister Nyamaa Enkhbold höchstpersönlich empfangen und im Diplomaten-Hotel zum Mittagessen eingeladen. Dieser zeigte sich begeistert über die Ziele der Stiftung, sicherte uns seine volle Unterstützung zu und verschaffte uns innerhalb einer Stunde einen Gesprächstermin bei der Gesundheitsministerin, der wir ebenfalls unsere Pläne unterbreiteten.
Der folgende Tag begann mit einer anstrengenden und abenteuerlichen Jeep-Fahrt auf schlüpfrigen Sand- und Lehmpisten nach Batsumber. Diese ca. 120 km im Norden von Ulan Bator gelegene Kreisstadt beherbergt etwa 9000 Einwohner, mit etwa 5000 Menschen im Kernort und weiteren 4000 Menschen in den umliegenden, weit gestreuten, nomadischen Jurtendörfern.
Für deutsche Verhältnisse unvorstellbar gibt es im Kernort kein fließendes Wasser und keine Kanalisation. Wir besichtigten zunächst die Polyklinik mit unserer neu errichteten Zahnstation, die am folgenden Tag eingeweiht wurde. Zu dieser Feierlichkeit erschienen neben dem Bürgermeister und der gesamten Krankenhausbelegschaft auch ein Kameramann des Lokalfernsehens. Sein Bericht am selben Abend sorgte dafür, dass die Zahnstation am nächsten Tag dermaßen Zulauf erhielt, dass wir uns gezwungen sahen, Nummern zu vergeben und teilweise die Patienten auf den nächsten Tag vertrösten mussten.
Dr. Walter Niederalt erklärte sich als Projektmanager für Batsumber bereit.
In seiner Ansprache machte er auf einige symbolische Verbindungen zwischen Batsumber und seinem Heimatort Roßtal aufmerksam. Das Pferd ist gleichermaßen im mongolischen als auch im Roßtaler Wappen. Batsumber bedeutet »Spitzer Berg«. Der Kern Roßtals steht auf einem Bergsporn. Der Name Roßtal, wenn auch etymologisch mit gutem Grunde umstritten, bedeutet Tal der Pferde. Als dann noch übersetzt wurde, dass der Name des Roßtaler Bürgermeisters ein altes deutsches Wort für Pferd ist, waren allgemeine Erheiterung und großer Applaus angesagt. Der Bürgermeister aus Batsumber, Herr Suchee Sanjid lässt Maximilian Gaul herzliche Grüße ausrichten mit dem ausdrücklichen Wunsch um eine Partnerschaft beider Orte.
Die Zahnstation wurde dann auch auf den Namen »Markt Rosstal« getauft.

Während unserer drei Tage in Batsumber bereisten wir auch das Umland mit seinen Nomadenfamilien. Die Hausherrin einer Jurte ist Hebamme und besucht weit entlegene Nomadensiedlungen mit dem Motorrad oder Pferd, um auch allgemeinmedizinische Hilfe zu leisten.

Auch dort wurden sofort wieder Pferde zur Verfügung gestellt, um die Mongolische Weite und Schönheit der Landschaft vom Sattel aus zu erfahren.

Die beiden letzten Tage nutzen wir, um die Hauptstadt Ulan Bator mit ihren Museen und Sehenswürdigkeiten kennen zu lernen und uns von den anstrengenden Exkursionen zu erholen.
Wir haben in der Mongolei viele überaus freundliche und sympathische Menschen kennengelernt. Hier herrscht Aufbruchstimmung, und der Blick nach dem Westen ist voller Hoffnung. Wir haben mit unserer Initiative ein Mosaiksteinchen für die Völkerverständigung und im mongolischen Gesundheitswesen einen Akzent gesetzt.
Die von uns gespendeten Zahnstationen sind dafür eingerichtet, dass dort Zahnärzte, Famulanten, Helferinnen wie auch Zahntechniker aus Europa mit den mongolischen Kollegen zusammenarbeiten und sich austauschen können. Nebenbei können die hoffentlich zahlreichen Gäste dieses wunderbare Land mit den herzerfrischend gastfreundlichen Mongolen kennen lernen.
Dr. Volker Schmidt, Dr. Claus Macher und Dr. Walter Niederalt
