Markt Roßtal

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15-Jährige liebäugeln mit dem Altersheim

Neuntklässler betreuen Senioren in ihrer Freizeit –
Roßtaler Awo-Heim schafft Lehrstellen für Hauptschüler

Zehn Schülerinnen der Hauptschule Roßtal verbringen viel Freizeit im Awo-Heim. Sie spielen mit den Heimbewohnern, aber übernehmen unter Anleitung auch leichte pflegerische Aufgaben wie Waschen und Füttern.
Foto: Thomas Scherer

von Claudia Bidner-Wunder

Abchillen, Party machen, Skaten oder Reiten, mit Freunden abhängen, kurz gesagt: Spaß haben. So oder ähnlich schaut es aus, das ganz normale Freizeitprogramm vieler Jugendlicher, oder etwa nicht? Fragt man Steffi aus Roßtal, kriegt man ein resolutes „Nein“ als Antwort. Steffi ist 16 Jahre alt. Sie ist ein ganz normales modernes Mädchen mit langen braunen Haaren und besucht die 9. Klasse der Hauptschule Roßtal. Was sie besonders macht? Steffi betreut alte Menschen im Awo-Heim vor Ort.

Schattenseite

Freiwillig. In ihrer Freizeit, während ihre Schulkameraden eben abhängen, Party machen... Seit einem Schuljahr ist sie, wie neun andere Mädchen aus der achten und neunten Klasse der Hauptschule Roßtal, Teil der Arbeitsgemeinschaft „Soziale Betreuung“. Fachlehrerin Lisa Teichmann hatte die Idee für die AG, denn der Lehrplan für ihr Fach HSB (Hauswirtschaftlicher und sozialer Bereich) sah den Besuch einer sozialen Einrichtung vor. „Ich wollte den Schülern vor Augen führen, dass man in unserer Fun-Gesellschaft auch bereit sein sollte, Zeit für Menschen aufzubringen, die auf der Schattenseite stehen“, sagt sie. Das Pflegeheim bot sich da an, der jüngste Bewohner ist gerade 31 Jahre alt.

Seit diesem Schuljahr besuchen die zehn Schülerinnen einmal pro Woche „ihre“ Bewohner. Sie spielen, basteln und singen mit ihnen, einige übernehmen unter Anleitung von Fachkräften sogar kleine Pflegeaufgaben wie Füttern und Waschen. „Trotz des schwierigen, pubertären Alters kommen die Mädchen gerne, kaum eine fehlt mal“, erzählt Teichmann. Mehr noch, Steffi und Sabrina kommen sogar jeden Tag vor der Schule, um auf ihrer Station kurz Hallo zu sagen. Die Menschen sind ihnen ans Herz gewachsen.

Im Zeugnis

Was motiviert junge Mädchen von 14 bis 16 Jahren, ihre Freizeit tatsächlich mit alten Menschen zu verbringen? „Es ist total schön, den Bewohnern eine Freude zu machen und zu helfen“, sagt Katha. „Ja, das gibt ein richtig gutes Gefühl“, bekräftigt Simone. Anna findet es gut, „dass unser Engagement auch im Zeugnis steht. Das hilft hoffentlich bei Bewerbungen“. Simone möchte herausfinden, ob sie für den Beruf Altenpflegerin geeignet ist.

Diese Entscheidung haben Steffi und Sabrina bereits getroffen. „Wir haben unseren Traumberuf gefunden“, berichten sie stolz. Paul Vath, Leiter des Pflegeheims, war von Anfang an von der engen Zusammenarbeit mit der Schule begeistert. „Schließlich investieren wir in unsere Zukunft“, findet er. Und er setzt sogar noch eins drauf: Als einziges Pflegeheim im Landkreis hat er eine Ausbildungskooperation mit der hiesigen Hauptschule geschlossen. Ab kommendem Herbst ermöglicht er so drei jungen Menschen aus Roßtal, eine Ausbildung zu absolvieren.

So kann ein Mädchen seine Praktika, die für die zweijährige schulische Ausbildung zur Hauswirtschaftstechnischen Helferin verpflichtend sind, im Awo-Heim absolvieren. „Diese Ausbildung ist sehr niederschwellig und speziell für Hauptschulabgänger, die Schwierigkeiten in der Schule hatten. Sie können so ihren Quali nachholen und anschließend eine Ausbildung drauf setzen“, erläutert Vath.

Die zwei Ausbildungsplätze zum Altenpfleger, das wurde ganz aktuell beschlossen, werden künftig auch vorrangig an Roßtaler Jugendliche vergeben. Steffi und Sabrina hoffen auf die Chance, die sich ihnen bietet. Da sie für die Lehre zur Altenpflegerin den Realschulabschluss brauchen, absolvieren sie erst eine Helferinnenausbildung und wollen dann nach einem Jahr Praxis mit der Lehre starten.

Pflegeheimleiter Vath unterstützt den Plan: „Durch die einjährige Ausbildung plus Praxiserfahrung haben Steffi und Sabrina alle Voraussetzungen erfüllt, und wenn alles gut läuft, werden wir beide zur Altenpflegerin ausbilden.“

Quelle: Fürther Nachrichten vom 10. Juni 2005 S. 5

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