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Markt Roßtal

Landkreis Fürth

Mittelfranken

Bayern

Deutschland
Markt Roßtal
Marktplatz 1

90574 Roßtal
Deutschland
Foto Rathaus
Das umgestaltete Rathaus, Sitz der Marktverwaltung

Roßtal

Das umgestaltete Rathaus

Roßtal, eines der ältesten Gemeinwesen in der Region Nürnberg, schrieb bereits als Kastell im Jahre 954 Reichsgeschichte und erhielt im Jahre 1328 vom Kaiser die Stadtrechte. Fehlender Handelsstand, geringe Bevölkerungszahl, aber auch die wechselhafte Politik der Ortsherren ließen jedoch einen Ausbau der Stadteigenschaft nie richtig zu. Seit dem 16. Jahrhundert nur noch als Dorf oder Flecken bezeichnet, ließ sich Roßtal im Jahre 1821 zur Landgemeinde zurückstufen, behielt aber die Marktrechte. Erst im Jahre 1972 baute sich Roßtal in der fast 650jährigen Geschichte als Stadt bzw. Markt sein erstes offizielles Rathaus.

Das „alte Rathaus“ in der Rathausgasse, ein von Bürgermeister Hans Eckstein zu Beginn der 30er Jahre umgebautes Schulhaus, in das dann erstmals die nationalsozialistische Gemeindespitze einzog, war den Anforderungen einer modernen Verwaltung nicht mehr angemessen.

Rathaus vor dem Umbau

In die Aufbruchstimmung des Jahres 1968 hinein planten und bauten die Roßtaler unter Bürgermeister Michael Wiesinger nun ihr erstes wirkliches Rathaus am Marktplatz. An die Stelle eines 300 Jahre alten Fachwerkbaus (Kaufhaus Haas) wurde ganz bewußt „zeitgenössische Architektur“ in Flachdachbauweise kontrastartig in die Umgebung der alten, fachwerkbetonten, fränkischen Giebelbauten gestellt. In der Fachwelt war man entsetzt. Als Solitärbau auf der grünen Wiese hätte es mit seiner zeitgenössischen Architektur alle Ehre eingelegt. Provokation aber gilt zeitgeschichtlich als Erkennungsmerkmal dieser Epoche.

Am 20. Oktober 1972 wurde das erste offizielle Rathaus Roßtals eingeweiht. Es blieb selbst bei denen umstritten, die die Verantwortung für Architektur und Standort im Ensemblebereich trugen. Bürgermeister Christian Wackersreuther schreibt zur Einweihung: „Wer die Raumverhältnisse und deren Zustand im alten Rathaus kennt, wird zugeben, daß es höchste Zeit war, hier eine wirksame Verbesserung zu schaffen … Wenn es auch über den Standort des neuen Rathauses unterschiedliche Meinungen gab, so können wir heute sicher sein, daß es kaum ein schöneres und zweckmäßigeres Rathaus in unserem Landkreis gibt … “

Bei der Rathauseinweihung hatte Roßtal 4201 Einwohner. Für die Verwaltung von 15000 Einwohnern dachte man den Neubau ausreichend dimensioniert. Schon bald zeigte es sich, daß das Rathaus räumlich zu klein geworden ist, denn das Jahr 1978 brachte mit der Gemeindegebiets- und Funktionalreform in unserer Gemeindegeschichte einen neuen Abschnitt. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich. Die Funktionalreform schuf mehr Verantwortung in den Kommunen. Wir öffneten uns neuen Projekten und Aufgaben wie der Sing- und Musikschule, vergrößerten die Volkshochschule, führten Ausstellungen durch, holten Beratungsangebote in großer Vielzahl ins Rathaus und benötigten Raum für EDV-Arbeitsplätze.

Außerdem waren die Roßtaler mit diesem Baustilkontrast im Marktplatzensemble und mitten in einem „der schönsten fränkischen Ortsbilder und Spiegel der fränkischen Geschichte im Rangau“ eigentlich nie so richtig glücklich. Dann brannte auch noch in der Nachbarschaft „die Sonne“ ab, ein Gasthaus mit dem schönsten Fachwerk am Marktplatz. Jetzt wurde, verstärkt durch die Baulücke, das Rathaus zunehmend als störend empfunden.

Im April 1991 befaßte sich erstmals der Marktgemeinderat mit Skizzen des Architekten Wilhelm Fuchs, die eine Dachlandschaft und damit Räume im Dachgeschoß vorsahen. Zunächst suchte man aber nach kostengünstigeren Lösungen. Mit dem Beschluß vom 14.11.1994 stieg der Marktgemeinderat in das Umbauprojekt ein. Am 10.10.1995 vergab der Bauausschuß die Planungen. Gemeinsam mit Architekten und Fachbehörden wurden Lösungen gesucht, unser Rathaus dem Ensemble anzupassen, ohne zu historisieren, d. h. eine unechte Fachwerkfassade kam nicht in Frage, aber statt der Bänder bekam das Rathaus eine Loch-Fassade sowie fränkische Giebel. Foyer und Treppenhaus werden durch eine Lichtpyramide im neu gebauten zweiten Obergeschoß betont. Hier befinden sich das komplette Bauamt und Räume für Sitzungen und Besprechungen. Sekretariat und Bürgermeisterzimmer wurden vergrößert. Ein zusätzlicher Raum entstand im Erdgeschoß, um eine geschlossene Außenfassade zu erreichen.

Eine leistungsstarke Verkabelung für die EDV und eine neuzeitliche Steuerungstechnik wurden eingebaut. Neue Fenster, Thermoaußenhaut und Photovoltaik dienen der Energieeinsparung. Sonnenschutz wird gewährleistet. Mit einem Aufzug kommen nun auch Behinderte in alle Geschosse.

Rathaus vor dem Umbau
Das Rathaus vor dem Umbau
Rathaus nach dem Umbau
Das Rathaus nach dem Umbau

Freundlich gestaltete Räume mit einer arbeitshygienisch durchdachten Möblierung werden die Mitarbeiter noch intensiver motivieren, sich um die Belange aller, die dieses Haus aufsuchen, zu kümmern. Grund und Ziel unserer von Leistung und Partnerschaft getragenen Arbeit für das Gemeinwohl ist der Mensch. Mit seinem modernen Kunstwerk im Treppenhaus drückt Karl-Heinz Kühler nicht nur die geschichtliche Entwicklung Roßtals in intensiver Farbgestaltung und Raumwirkung aus. Das Werk steht auch für die Offenheit des Hauses und das gemeinsame Lösen von Problemen.

Rathaus: Treppenhaus
Das neugestaltete Treppenhaus

Rede des Ersten Bürgermeisters zur Einweihung des umgestalteten Rathauses (Auszüge)

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