Wappen Roßtal

Markt Roßtal

Landkreis Fürth

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Letzte Änderung: 2003-11-07

Feuerwehrhaus

Rede des 1. Bürgermeisters Maximilian Gaul
zur Einweihung des neuen Feuerwehr- und Gemeinschaftshauses in Weitersdorf
am 12. April 1997

Kommune heißt Gemeinsam. Es ist daher oberste Pflicht einer Kommune in einer Zeit, in der das einzige Streben der Menschen der Hedonismus zu sein scheint, d. h. einer Lebensart frönen, deren einziger Lebenssinn das Genießen und die Lust an der Freud ist, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß sich Menschen gemeinsamen Aufgaben stellen, über ihre eigene Begrenztheit, ihre Egozentrik und ihren Egoismus hinaus begeben und füreinander einstehen.

Es trifft sich daher gut, diese neue Bezeichnung für das Gebäude, das wir heute einweihen:

Feuerwehr- und Gemeinschaftshaus Weitersdorf.

Da ist einmal die Feuerwehr, kein Verein wie jeder andere auch, ohne den anderen Vereinen nahetreten zu wollen, geht es doch bei der Feuerwehr um eine Bürgerinitiative zum Nachbarschutz, zum Schutz für Leib und Leben und Hab und Gut, aber auch zur Nachbarschaftshilfe in Notfällen bis hin zu den technischen Hilfeleistungen, für die die Feuerwehr in einem Dorf ja auch zunehmend gebraucht wird.

Eine solche Bürgerinitiative braucht die Unterstützung der Kommune. Es ist ja eine gemeinsame Aufgabe für das Gemeinwesen und für die Gemeinschaft, die unsere Freiwilligen Feuerwehren erledigen. Sie stehen in einem besonderen Treueverhältnis zur Kommune und umgekehrt.

Und dann erstmals in der Geschichte unseres Marktes ein Haus, das selbst als "Gemeinschaftshaus" bezeichnet wird. Also ein Haus von der Gemeinschaft für die Gemeinschaft, in der Gemeindeleben stattfinden kann.

Was lange währt, wird endlich gut. Dieses alte Sprichwort hat sich in Weitersdorf wieder einmal mehr bewahrheitet. Schon lange vor meinem Amtsantritt im Jahre 1990 war ein Feuerwehrgerätehaus in Weitersdorf vom damaligen Marktgemeinderat angedacht. Es ist eine mehr als 10jährige, Never-Ending-Story. Aber wäre es "in den fetten 80er-Jahren" verwirklicht worden, hätten wir in Weitersdorf heute ein stattliches "Feuerwehrhaus", mit aller Kritik, die damit in unseren Gemeindeteilen auch verbunden ist, die Idee eines Gemeinschaftshauses wäre damals so nicht verwirklicht worden. Heute dürfen wir deshalb stolz feststellen: der Gemeindeteil Weitersdorf schuf sich in vielen, mühevollen Stunden "in finanzschwächeren Jahren" gemeinsam einen Dorfmittelpunkt.

Freilich war die Ungeduld im Vorfeld groß, denn auch in meiner ersten Amtsperiode konnten wir nicht sofort und auf der Stelle, denn auf welcher Stelle, war schon die erste, wichtigste Frage, ein solches Projekt verwirklichen. Wir durften bei unserer Finanzausstattung unmöglich auf staatliche Zuschüsse verzichten. Diese aber flossen, dem Freistaat sei Dank, nun ja doch noch. Auch bei der Grundstücksfrage war zunächst Überzeugungsarbeit zu leisten. Immerhin konnten wir uns das Grundstück rechtzeitig sichern, und ich habe bisher über den Standort nur positive Rückmeldungen, liegt doch das Gemeinschaftshaus wirklich zentral.

Weitersdorf hat eine stolze Vergangenheit. Meine Amtskette, die ich heute erstmals trage, und die von den Vereinigten Sparkassen im Landkreis Fürth gestiftet wurde, weist diese Vergangenheit von Weitersdorf mit der Schlußmünze am Rücken aus. Weitersdorf ist auch außer Roßtal die einzige Gemeinde gewesen mit einem eigenen Wappen. Ich bin in den letzten Wochen und Tagen immer wieder angesprochen worden, warum nicht das Wappen von Weitersdorf, sondern das Roßtaler Wappen auf diesem Feuerwehr- und Gemeinschaftshaus aufgebracht wurde.

Die Frage ist schnell zu beantworten:
Weil wir seit dem 1. Mai 1978 alle Roßtalerinnen und Roßtaler sind und dabei Weitersdorfer oder Buchschwabacher oder Buttendorfer usw. bleiben.

Am 1. Mai 1978 sind alle Gemeinden, also Weitersdorf, Großweismannsdorf, Buchschwabach sowie Weinzierlein und Roßtal erloschen. Und damit auch ihre Hoheitszeichen, die noch geschichtliche Bedeutung haben, nicht mehr und nicht weniger. Das Wappen, das Roßtal am 1. Mai 1978 wiederum verliehen bekam, war in Fortsetzung der jahrtausendalten Geschichte unseres Kernorts das alte Roßtaler Wappen, es ist aber nun das Wappen der Gesamtgemeinde geworden.

Ich danke Herrn Gastner sehr, daß er meinen Vorschlag aufgriff und im Eingang unseres Feuerwehr- und Gemeinschaftshauses an diese Geschichte mit dem Wappen erinnert.

Es war oberstes Ziel im neugeschaffenen Markt Roßtal, mit der Neugliederung in der Gemeindegebietsreform 1978 den einzelnen Dörfern und heutigen Gemeindeteilen ihr Gemeinschaftsleben und ihre Lebendigkeit nicht nur zu erhalten, sondern auch noch zu stärken. Schon meine Vorgänger, Altbürgermeister Hans Schmidt für die damalige Gemeinde Weitersdorf und Karl Schubert für den neuen Markt Roßtal, sahen im lebendigen Vereins- und Gemeindeleben ein hohes Ziel ihrer Arbeit.

Aber genau darum geht es ja, bei einem Gemeinschaftshaus. Es braucht die Leistung einer Gemeinschaft. Der Markt Roßtal hat hier ein Haus von knapp einer Million nur mit Ihrer Mithilfe, mit den 2000 geleisteten Stunden von Weitersdorfern, bauen können. Er brauchte dazu aber auch die Mittel des Freistaates Bayern, der immerhin 186.000 DM für dieses Feuerwehrhaus zuschoß. Dafür gilt unser herzlicher Dank, stellvertretend hier abgestattet an unsere Landtagsabgeordneten Gabsteiger und Schultz und an die Frau Landrätin, hier in ihrer Eigenschaft als Vertreterin der staatlichen Verwaltung. Einen fast genauso hohen Betrag sparten die 2000 Stunden unserer Weitersdorfer an Baukosten ein.

Aber nur so, wie wir es getan haben, kann ein Gemeinschaftswerk gelingen. Es braucht den echten Willen der kommunalpolitisch Verantwortlichen, und nicht nur Lippenbekenntnisse. Da müssen nicht nur Anträge gestellt und verabschiedet werden, sondern da müssen auch Handlungen folgen. Es benötigt bei einer Kommune mit einer miserablen eigenen Steuerkraft die Mithilfe des Staates, der in Bayern seine Verantwortung für die Kommunen - immer gemessen an den anderen Flächenstaaten - in wahrhaft vorbildlicher Weise wahrnimmt, es braucht eine Kommunalverwaltung, wo für solche Gemeinschaftsvorhaben Offenheit herrscht und zwar nicht nur an der Spitze bei den Bürgermeistern und im Marktgemeinderat, sondern tatsächlich bei denen, die im Bauamt oder in der Kämmerei unmittelbar mit diesem Projekt befaßt sind.

Ich danke allen, die an diesem Gemeinschaftshaus mitgewirkt haben: den Architekten Gastner und Ulrich mit ihren Planern, den fleißigen Handwerkern und all denjenigen, die viel Freizeit geopfert haben, um in Eigenleistung das Projekt zu ermöglichen, aber auch meinen Kolleginnen und Kollegen des Marktgemeinderates aus der Periode 1990–96.

Nun soll dieses Haus unserer Bevölkerung in Weitersdorf dienen. Wir hoffen, daß das vorgesehene Selbstverwaltungsmodell geeignet ist, um deutlich zu dokumentieren: Das ist ein Haus des Marktes für seine Weitersdorferinnen und Weitersdorfer, bei dem ich die Ehre habe, es heute an unsere Bevölkerung offiziell zu übergeben.

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