Grußwort zur Einweihungsfeier und zum 20-jährigen Jubiläum unserer Kindertagesstätte »Regenbogenland«

Eine Gemeinde kann ihr Geld nicht besser anlegen, als dass sie es in ihre Kinder steckt!

Mit diesem – heute mehr denn je gültigen Satz des Politikers Winston Churchill – möchte ich Sie heute, auch im Namen von Herrn Pfarrer Künne hier zu unserer zweifachen Feier begrüßen.

Wir feiern heute unser 20-jähriges Bestehen Kindertagesstätte »Regenbogenland« und gleichzeitig die gelungene Generalsanierung der Einrichtung.

Liebe Kinder, liebe Eltern und Gäste. Wir freuen uns, dass Sie sich heute für Ihren Kindergarten Zeit genommen haben – wir freuen uns über den Besuch von unserem Landrat Matthias Dießl und unsem Bürgermeister Johann Völkl, die wir ganz herzlich willkommen heißen.

Begrüßen möchte ich auch die anwesenden Marktgemeinderäte, die Mitglieder des Kirchenvorstandes und des Diakonievereinsbeirates.

Von der katholischen Pfarrei begrüße ich Herrn Dr. Hernoga und Frau Summa, die Leiterin der katholischen Kindertageseinrichtung Christkönig.

Unter unseren Gästen sind auch eine Reihe ehemaliger Beirats- sowie Vorstandsmitglieder im Diakonieverein, die damals beim Neubau des Kindergartens mit entschieden haben. Auch Frau Böhm, die Leiterin des Kindergartens bis Mitte 2009, die sicherlich noch viele Eltern kennen, ist heute hier und das freut uns ganz besonders, denn Frau Böhm hat viele Jahre das pädagogische Profil der Einrichtung geprägt.

Wenn wir heute auf zwei Jahrzehnte zurückblicken, dann lässt sich fast nicht mehr zählen, wie vielen Kindern bei ihren ersten Schritten in die Welt geholfen wurde.

Auch zwei meiner Kinder haben das »Regenbogenland« besucht und so gibt mir dieses Jubiläum heute besonderen Anlass zu einem herzlichen Wort des Dankes und der Anerkennung.

Dank zum einen an das engagierte Team für die pädagogische Arbeit und Dank, andererseits an diejenigen, die damals vor über zwanzig Jahren, als Roßtal durch die neuen Baugebiete rasant am Wachsen war, durch ihr Engagement dazu beigetragen haben, dass dieser zweite evangelische Kindergarten im Herzen Roßtals entstanden ist.

Im damaligen Baugebiet »Hagenleite« sollte in der Martin-Luther-Straße ein Kindergarten für drei Gruppen entstehen.

In seiner Sitzung vom 24. April 1989 hat der Marktgemeinderat dem Diakonieverein den Bau und die Trägerschaft eines neuen Kindergartens in der Nähe der Hauptschule übertragen. Für diesen Zweck wurde dem Verein ein geeignetes Baugrundstück unentgeltlich übertragen.

Der Bedarf an Kindergartenplätzen war sehr hoch. Aus diesem Grund hatte man in die damalige Hauptschule übergangsweise zwei Kindergartengruppen einquartiert, denn die Richtersgasse war voll belegt.

Die Kostenschätzung für den Bau hat 1990 2,3 Millionen DM betragen, wovon der Diakonieverein 895.000 DM zu stemmen hatte.

Guter Rat, wie man so viel Geld aufbringen sollte, war teuer. Doch man hatte nicht mit der Spendenbereitschaft der Roßtaler Bürgerinnen und Bürger gerechnet. Über 300.000 DM wurden gespendet. Die große Spendenbereitschaft in Roßtal hat sich übrigens beim Neubau der abgebrannten »Sonnenblume« wiederholt.

Die endgültigen Baukosten beliefen sich dann nach Abschluss der Maßnahme auf 2,6 Millionen DM.

Und damit komme ich zu meinem einleitenden Satz zurück:

Eine Gemeinde kann ihr Geld nicht besser anlegen, als dass sie es in ihre Kinder steckt!

Der Markt Roßtal hat damals die durch die Preissteigerung entstandenen Mehrkosten übernommen und sich dadurch klar positioniert zu seiner kommunalen Verantwortung einer familienfreundlichen Kommune.

Auch die jetzige Entscheidung, ob bereits nach 20 Jahren eine Einrichtung generalsaniert werden kann, hat der Marktgemeinderat nicht leichtfertig getroffen. Die vorhandenen Mängel am Gebäude haben jedoch eindeutig überzeugt und so wurde trotz schwieriger Kassenlage der Beschluss gefasst, den Kindergarten umgehend zu sanieren.

Was bei anderen Gemeinde lange Jahre dauert, wird in Roßtal zügig umgesetzt. Knapp ein Jahr für Beschluss, Planung und Bauphase. Das ist bei solch einer umfangreichen Maßnahme nicht ohne! Schließlich wurden die Fenster und Türen ausgetauscht, die Heizung erneuert, Wärmedämmung auf die Fassade aufgetragen und das Dach – wie man deutlich sehen kann – ebenfalls wärmegedämmt und umgestaltet.

Ein großer Posten war auch die Um- und Neugestaltung des Gartens, der dies dringend nötig hatte.

Und hier wird es Zeit, Ihnen – liebe Eltern und lieber Elternbeirat – ein besonders großes Danke! Zu sagen.

Denn Sie waren es, die die Zeit der Bauphase mit Auslagerung der Kindergruppen in das Gemeindehaus ohne ein böses Wort begleitend tatkräftig unterstützt haben, und oft war zu beobachten, wie Sie im August während der Sommerferien vor dem Bau – und es sah wirklich zeitweise wüst aus – mit Ihrem Kind standen und den Baumaschinen zugeschaut haben. Vor allem der hohe Kran hatte es den Kindern angetan. Klar ist auch, dass manche Stolpersteine zu überqueren waren, denn wie unser Planer, Ingenieur Scheuenstuhl immer zu sagen pflegt, wir „hatten einen knackigen Zeitplan“.

Allerdings waren wir immer fest davon überzeugt, dass wir pünktlich fertig werden, und so war es dann schließlich auch. Die Kinder konnten das Haus zum Beginn des neuen Kindergartenjahres wieder in Besitz nehmen. Der Garten wurde jetzt im September/Oktober auch planmäßig fertiggestellt. Jetzt müssen nur noch einige Grashalme die Chance bekommen zu wachsen.

Unser Haus hat jetzt auch ein völlig neues Gesicht bekommen. Wegen der Verwinkelungen der Dachgauben und deren aufwändige Sanierung haben wir uns entschieden, das Dach pflegeleichter umzugestalten und ich glaube, Sie stimmen mir zu, dass die Neugestaltung sehr gelungen ist. Ein positiver Nebeneffekt hat sich außerdem ergeben: Wir werden die dafür nutzbaren Dachflächen mit Photovoltaik bestücken lassen und Strom erzeugen. Diesen Strom können wir selbst nutzen.

Lassen Sie mich kurz zurück kommen auf die Geschichte des Kindergartens:

Es gab nämlich auch stürmische Zeiten in Roßtal, wie ich eingangs bereits erwähnt habe, was die zur Verfügung stehenden Kindergartenplätze anbelangt. Heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass es einmal einen großen Mangel an Kindergartenplätzen gab. Buchschwabach hatte vor dem Jahr 2002 noch keinen Kindergarten, Krippen gab es überhaupt nicht und so konnten teilweise erst dreieinhalb-jährige Kinder einen Platz bekommen, einen Anspruch hatte man übrigens auch nicht!

Es gab also riesigen Ärger in Roßtal, berechtigt, denn damals wie heute war und ist es wichtig, dass Kinder ab einem gewissen Alter die Förderung im Kindergarten nutzen dürfen. Eine zusätzliche Gruppe, angegliedert an das Regenbogenland, wurde geschaffen und wieder in der damaligen Hauptschule untergebracht. Die Bärengruppe, geführt von Liane Hubbes, die übrigens heute noch, trotz Ruhestand, den Kindern im Kindergarten regelmäßig vorliest.

Dann als der Buchschwabacher »Holzwurm« im Jahr 2002 fertiggestellt war wurde das Regenbogenland wieder dreigruppig.

In Sachen Kindergarten - Krippe und Hort hat sich in den letzten Jahren wahnsinnig viel geändert. Der Anspruch auf einen Kindergartenplatz ab drei Jahren wurde Gesetz, Krippenkinder drängen in die Einrichtungen, auch hier gibt es ab dem Jahr 2013 einen gesetzlichen Platzanspruch. Der Bedarf an Hortplätzen hat enorm zugenommen.

Man kann sagen, das was vor zehn Jahren noch galt, gilt heute schon lange nicht mehr. Die Träger von Kindertageseinrichtungen mussten sich schnell auf die neuen Bedarfe einstellen, und so haben wir in fast allen unseren Kindertagesstätten Krippe, Kindergarten und Hort unter einem Dach. So auch jetzt im »Regenbogenland«.

Für viele Roßtaler Bürgerinnen und Bürger steht Kindergarten fest im Zusammenhang mit Diakonie. Stimmt auch! Diakonie hat es sich schon immer zur Aufgabe gemacht, Einrichtungen für Kinderbetreuung zu fördern, zu bauen und zu unterstützen. Seit dem Jahr 1912 gibt es in Roßtal den Kindergarten an der Richtersgasse, im nächsten Jahr feiert die »Sonnenblume« ihr 100-jähriges Jubiläum. Damals hatte der Roßtaler Diakonieverein die Idee professioneller Kinderbetreuung in die Tat umgesetzt und bis zum Jahr 2006 vier Kindertagesstätten in Roßtal unter seiner Trägerschaft betrieben. Wegen der immer vielfältiger werdenden Aufgaben, die ein Träger von Kindertagesstätten zu erfüllen hat, wurde die Verantwortung unserer evangelischen Einrichtungen 2006 in die Hände der Kirchengemeinde gelegt.

Das Gebäude des »Regenbogenlandes« allerdings gehört weiterhin dem Diakonieverein, der damit auch verantwortlich für die Generalsanierung war.

Liebe Kinder, ihr sollt in euerem neu sanierten Kindergarten eigene Erfahrungen sammeln dürfen und euch wohl fühlen. Ihr sollt Selbständigkeit bekommen und euch neue Lebensbereiche erobern. Ihr dürft euere Kräfte messen, zusammen spielen und erste Freundschaften schließen.

Liebe Eltern, wir als Kindergarten gemeinsam mit Ihnen müssen dafür sorgen, dass den Kindern all dies ermöglicht wird. Denn auch wenn Kinder schon kleine Persönlichkeiten sind, und ich glaube, heute mehr als vor 20 Jahren, sind sie nicht selbstständig. Unsere Kinder müssen eine ganze Menge lernen, um ihr Umfeld zu verstehen und schließlich meistern zu können.

Kindererziehung ist eine schöne, eine dankbare und eine höchst verantwortungsvolle Aufgabe. Der Dichter Wolfgang Goethe schreibt, dass Kinder zwei wichtige Dinge in ihr Leben mit bekommen sollen: Wurzeln und Flügel.

Wurzeln können nur durch das Vertrauen in der Familie entstehen. Flügel bedingen ein Loslassen und ein Akzeptieren, dass Kinder selbständig eigene Schritte tun. Einer der ersten Schritte in die Selbständigkeit ist der Gang in den Kindergarten. Damit diese Flügel dann auch wachsen können, braucht es viel Geborgenheit und Anerkennung.

Im »Regenbogenland« sind schon viele Flügel gewachsen. Flügel, die oft auch schon den Weg zurück in die Einrichtung ermöglicht haben. Nach zwanzig Jahren und auch schon vorher bilden wir bereits junge Menschen im Kindergarten zum Erzieher, zur Erzieherin aus, die damals als Kinder in den neunziger Jahren die Einrichtung besucht haben.

Liebe Erzieherinnen, die Kinder vertrauen Ihnen und lieben Sie. Sie sind während der ersten Lebensjahre der Kinder wichtig und helfen zu einem Start ins Leben, wie man ihn sich besser kaum vorstellen kann.

Ich spreche sicherlich im Namen vieler Eltern, wenn ich den Wunsch bekräftige, dass es so bleiben soll in unserem »Regenbogenland« und dass wir auch künftige Jubiläen ebenso freudig begehen können wir dieses 20-jährige.

Lassen Sie mich zum Schluss noch ein großes Dankeschön sagen an unseren Elternbeirat, den neuen und auch den alten, der die Planungsarbeiten voll mitgetragen hat.

Vielen Dank für Ihre freundliche Aufmerksamkeit.

Elisabeth Helmreich
Geschäftsführerin

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