40 Jahre Schwesternstation, Kindergarten
und ambulante Krankenpflege
in der Pfarrei Christkönig Roßtal
Ein dreifaches Jubiläum kann die Pfarrgemeinde Christkönig Roßtal im Oktober 1998 begehen: 40 Jahre Schwesternstation, Kindergarten und ambulante Krankenpflege.
Schon wenige Jahre nach der Errichtung der Pfarrkirche Christkönig und deren Weihe am 1. Juli 1951 erkannte der äußerst rührige Pfarrer Joseph Zankl, der unter heute kaum mehr vorstellbaren Schwierigkeiten den Kirchenbau veranlaßt und damit die Pfarrei begründet hatte, die Notwendigkeit für die Errichtung eines Kindergartens, geleitet von katholischen Schwestern.
![]() |
Beim Durchblättern der alten Bauakten spürt man heute noch die Energie und seinen Unternehmungsgeist, obgleich die damalige finanzielle Situation kaum Aussicht auf einen Teilerfolg bot, geschweige denn eine vollständige Verwirklichung seiner Pläne erwarten ließ.
Nach gewissen erforderlichen Abstrichen konnte Pfarrer Zankl im Frühjahr 1954 einen Entwurf beim Bischöflichen Ordinariat einreichen. Dort war man von der Notwendigkeit der geplanten Einrichtungen zwar überzeugt, verwies den Antragsteller allerdings darauf, daß bei der Finanzlage der Diözese ein Baubeginn in naher Zukunft kaum ermöglicht werden könne.
Auch auf einen zweiten, nicht minder wichtigen Punkt machte das Ordinariat aufmerksam, ja letztlich sollte diese Frage überhaupt ausschlaggebend für die Inangriffnahme des Objekts werden: die Zusicherung einer klösterlichen Gemeinschaft, Schwestern für das geplante Objekt zu entsenden.
Pfarrer Zankl schaffte beides: Er legte dem Ordinariat bereits im August 1955 die ersten Pläne, die der Erbauer der Pfarrkirche, der Nürnberger Architekt Dr. Leonhardt, gefertigt hatte, zusammen mit einem Kostenvoranschlag vor, und wenig später konnte er auch die Zusicherung des Mutterhauses der Niederbronner Schwestern bezüglich der Entsendung zweier Schwestern für das Jahr 1958 erwirken.
Wie schwer bereits damals – vor 40 Jahren – bei dem sich abzeichnenden Mangel an Ordensschwestern Zusagen zu erreichen waren, zeigt die Tatsache, daß für die Errichtung einer Niederlassung die Zustimmung der Generaloberin des Ordens in Niederbronn im Elsaß eingeholt werden mußte. Vom Organisationstalent des Pfarrers zeugt weiter, daß er es verstand, alle Möglichkeiten aufzuspüren und auszuschöpfen, wenn es galt, Kosten für die ohnehin nicht mit Gütern gesegnete Pfarrgemeinde einzusparen. Dies war auch erforderlich, bestand doch „seine“ Gemeinde zu weit über 95 % aus Heimatvertriebenen, die zwar opferwillig und voller Begeisterung schon den Bau der Pfarrkirche nach Kräften unterstützt und gefördert hatten, aber selber mit dem Bau ihrer neuen Heimstätten finanziell sehr belastet waren. Für die zwischenzeitlich nachgewachsene dritte Generation seit dem Entstehen einer katholischen Pfarrgemeinde nach 1945 klingt es sicher kaum glaubhaft, wenn ein heute nicht mehr lebendes Gemeindemitglied in seinen Erinnerungen an den Kirchenbau schrieb: „...wir hatten oft nicht die fünf Mark in der Woche übrig, um den Beitrag für den Kirchenbauverein zu zahlen“.
So schrieb Pfarrer Zankl am 29. November 1957 das amerikanische Hauptquartier in Fürth an, schilderte die soziale und finanzielle Situation seiner Vertriebenengemeinde und bat um Hilfe für den Bau des Schwestern- und Kindergartengebäudes. Es ging ihm besonders um das Ausheben der Baugrube, ungefähr 600 cbm, das ursprünglich im Kostenvoranschlag als Eigenleistung angesetzt war.
![]() |
|
Bereits am 9. Dezember 1957 um 10.00 Uhr standen acht amerikanische Soldaten, darunter Offiziere und Sergeanten eines Pionierbataillons, mit schweren Baggern und Räumgeräten an der Baustelle. Erst beim Aushub zeigte sich, daß der felsige Grund in Eigenleistung gar nicht hätte bewältigt werden können, waren doch die Soldaten trotz ihrer schweren Spezialgeräte fast eine Woche damit beschäftigt.
Die Baubehörde der Diözese Eichstätt und der Architekt waren des Lobes voll über die präzise Arbeit der militärischen Helfer, deren Einsatz der Pfarrei eine Kosteneinsparung von rund 5000 DM gebracht hatte. Noch im gleichen Monat folgte die Vergabe der Kanalisations- und Hochbauarbeiten, die – wie auch die späteren Ausbauarbeiten – weitgehend von Roßtaler Firmen ausgeführt wurden.
Es soll nicht unerwähnt bleiben, mit welchem Aufwand allein das Genehmigungsverfahren verbunden war: Bundesbahn, Landratsamt, Marktgemeinde und Nachbarn mußten ihre Zustimmung geben, eine aufwendige Tätigkeit für den unter Zeitdruck stehenden Pfarrer.
Er erledigte alle Vorarbeiten, und nach der Winterperiode begannen im März 1958 die Bauarbeiten, die anfangs so zügig vonstatten gingen, daß bereits am 23. Mai 1958 das Richtfest gefeiert werden konnte.
Aus den Bauakten ersieht man die Sorgen des Pfarrers, der mit wachsendem Baugeschehen immer wieder Zwischenbilanzen aufstellte und diese mit den Summen im Kostenvoranschlag, der im Oktober 1957 gefertigt worden war, verglich.
Wer selber schon Erfahrungen beim Bau eines Hauses sammeln konnte, weiß, daß man nicht nur Geld, sondern auch gute Nerven braucht, weil die Termine der beteiligten Handwerker koordiniert und strikt eingehalten werden müssen. So blieb auch nicht aus, daß in solchen Engpässen der Pfarrer als echter Oberpfälzer auch Töne anschlagen konnte, die recht eindeutig die Firmen an ihre Vertragsgebundenheit erinnerten, war doch die Einweihung der Gebäude für Sonntag, den 26. Oktober anberaumt. Die Einladungen waren bereits ausgesprochen, außerdem waren die Eltern verständigt, daß der Kindergarten am 27. Oktober 1958 seine Pforten öffnen sollte.
Die vom Mutterhaus in Neumarkt entsandten Schwestern - mit Rücksicht auf die Situation der Diasporapfarrei Roßtal wurden dem Pfarrer drei Schwestern zugesagt - trafen bereits am Donnerstag, den 23. Oktober 1958 hier ein. Es waren dies:
Schwester Adelia, Oberin
Schwester Rupertine, Krankenschwester,
Schwester Materna, Kindergärtnerin.
Sie waren, liest man im Tagebuch, von „den wunderschönen Räumlichkeiten“ überrascht, in denen die Handwerker noch eifrig arbeiteten, aber „.. im Moment konnten wir uns nicht vorstellen, wie bis zum Sonntag, dem Tag der Einweihung, alles fertig sein sollte“.
Es kam auch fast einem Wunder gleich, daß alles klappte: Frauen und Mädchen putzten freiwillig bis nach Mitternacht und hängten Gardinen auf. Eine Reihe von Männern - unter ihnen auch Pfarrer Zankl und Kaplan Eichenseer - mußte mit Schaufel, Hacke und Schubkarren erst Wege um das Haus herum anlegen. Am Tag der Einweihung wurden im Gottesdienst die drei Schwestern der Gemeinde vorgestellt, und um 14.00 Uhr weihte Prälat Mader in Anwesenheit des Bürgermeisters Wiesinger, des Architekten, der Geschäftsleute und Firmenvertreter sowie von zahlreichen Gemeindemitgliedern das Schwesternhaus, den Kindergarten, zwei Räume für Heiminsassen und einen Raum für die Krankenpflegestation ein.
Die Aufzeichnungen der Schwestern geben Zeugnis vom Werden und Wachsen dieser caritativen Einrichtungen, lassen aber auch ihre aufopfernde Tätigkeit erkennen. Die Zahlen, eine Bilanz der ersten beiden Monate, sprechen für sich:
Während dieses Zeitabschnittes wurden täglich 53 Kinder - ohne Unterschied der Konfession - betreut, wobei täglich 15 Kinder verpflegt wurden und vier Kinder eine Ganztagsbetreuung erhielten.
Die Krankenschwester versorgte in der aufgezeigten Zeitspanne 20 Kranke, verbrachte 25 Nächte an Krankenbetten und verzeichnete insgesamt 120 ambulante Einsätze.
Mit den Jahren haben sich die Vorstellungen und die daraus resultierenden Vorschriften für den Betrieb von Kindergärten bezüglich des Personaleinsatzes und der altersgerechten Gruppenbetreuung so verändert, daß in relativ kurzen Zeitabständen bauliche Anpassungen erforderlich wurden.
Das geschah bereits nach etwas mehr als 10 Jahren nach der Eröffnung, aber ebenso im Jahre 1980. Eine grundlegende Umgestaltung erfuhr der Kindergarten nochmals in den Jahren 1991/92, wobei Pfarrer Josef Zottmann, der in den Jahren seiner Tätigkeit als Missionar in Afrika und Brasilien auch zum Baufachmann geworden war, eigene Vorstellungen in die Planungsarbeit des Architekten einbringen konnte.
Nach dem Ende der aufwendigen Umbauten nahm am 2. Oktober 1992 Domkapitular Alois Brandl aus Eichstätt die Weihe des neugestalteten Hauses vor.
Heute betreuen sieben weltliche Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen unter der Leitung von Schwester Marcella l00 Kinder. Den vier Gruppen stehen jetzt entsprechende Räume zur Verfügung.
Auch die aus einfachen Verhältnissen sich entwickelnde ambulante Krankenpflegeeinrichtung hat in den letzten Jahren grundsätzliche Verbesserungen erfahren.
Liest man die Niederschriften der Schwestern aus den Anfangsjahren, dann erhält man einen Eindruck von der aufreibenden Tätigkeit der im Krankenpflegedienst eingesetzten Schwester. Erst im Jahre 1960 stand für die Schwester ein Fahrrad zur Verfügung. und es dauerte nochmals sechs Jahre, bis die Pfarrei in der Lage war, für die Schwester, die bei allen Wetterlagen und Jahreszeiten ihren Dienst versah, ein Kraftfahrzeug zu beschaffen.
Es spricht für den ökumenischen Geist, daß in Urlaubs- und Krankheitsfällen die evangelische Diakonisse, Schwester Else, den Dienst der katholischen Schwester mit übernahm, wie es auch umgekehrt der Fall war.
Am 2. Dezember 1992 kam es dann zur Gründung eines Krankenpflegevereins, der dem Caritasverband Eichstätt angeschlossen wurde. Ein Jahr später, am 7. Dezember 1993, beschlossen die Krankenpflegevereine der Pfarreien Christkönig Roßtal und Albertus Magnus in Stein aus wirtschaftlichen Erwägungen die Gründung einer Sozialstation. Die Kirchenstiftungen beider Pfarreien sind Träger dieser Einrichtung, die den Namen „Sozialstation Stein/Roßtal“ führt. Die Einsätze des Pflegepersonals werden seither zentral gelenkt. Für den Bereich der Pfarrei Roßtal sind zur Zeit eine Krankenschwester und vier Altenpflegerinnen tätig.
Die Finanzierung dieser Einrichtung geschieht aus den Beiträgen der Pflegeversicherung, den Leistungen der Krankenkassen und den Beiträgen der beiden Krankenpflegevereine.
Die Schwestern des Niederbronner Ordens sind nun seit mehr als einer Generation in unserer Pfarrei tätig. Manches ist seit den Anfängen anders geworden, unverändert geblieben ist jedoch ihr selbstloser Einsatz, sei es in der Tätigkeit für den Kindergarten oder in den vielen Diensten an den Menschen in der Pfarrei, wofür wir heute anläßlich der 40jährigen Wiederkehr der Gründung der Schwesternstation in Roßtal herzlichen Dank sagen.
Eine öffentliche Ehrung der Krankenschwester Ehrenfrieda – der Seniorin unserer Schwesternstation – war äußeres Zeichen der Anerkennung für das, was Schwester Ehrenfrieda in mehr als zwanzig Jahren geleistet hat.
Die Marktgemeinde Roßtal verlieh ihr die Bürgermedaille, und der Caritasverband zeichnete sie, die still und bescheiden ihre ganze Kraft der Pflege kranker Menschen widmete, mit der Ehrennadel in Gold aus.
In den vergangenen 40 Jahren wirkten in der Pfarrei folgende, vom Mutterhaus in Neumarkt entsandte Schwestern:
Kindergarten: Sr. Materna 1958 bis 1960 Sr. Theolinde 1960 bis 1968 Sr. Walburga 1968 bis 1974 Sr. Agnes Theres 1974 bis 1989 Sr. Sylvia 1989 bis 1996 Sr. Marcella seit 1996 Oberin: Sr. Adelia 1958 bis 1964 Sr. Edelwalda 1964 bis 1973 Sr. Arberta 1973 bis 1979 Sr. Anna Maria 1979 bis 1985 Sr. Berga Maria 1985 bis 1994 Sr. Hermelanda 1994 bis 1995 Sr. Bertila 1995 bis 1996 Sr. Rosa Rita seit 1996 Krankenschwestern: Sr. Rupertine 1958 bis 1968 Sr. Hermelinde 1965 bis 1975 Sr. Ehrenfrieda seit 1975
![]() |
| Die Schwestern heute: Ehrenfrieda, Rosa Rita und Marcella |
Alfred Steinheimer, September 1998
| [Seitenanfang] |



