Markt Roßtal

Landkreis Fürth

Mittelfranken

Bayern

Deutschland
Markt Roßtal
Marktplatz 1

90574 Roßtal
Deutschland

Die Pfarrkirche Christkönig

Unsere schlichte Pfarrkirche, im Jahre 1951 geweiht, spiegelt so recht das Werden einer Gemeinde wider, die sich erst am Ende des Krieges im Jahre 1945 und in den entbehrungsreichen Jahren danach bildete.

Es waren Heimatvertriebene und Flüchtlinge aus dem Sudetenland, aus Schlesien, aus Ostpreußen, Ungarn und Jugoslawien, die hier in Roßtal und den umliegenden Ortschaften eine neue Heimat fanden und sich mit dem Bau einer Kirche einen geistigen und religiösen Mittelpunkt schafften.

Dieser katholische Kirchenbau ist jedoch nicht der erste, der rund 400 Jahre nach der Reformation hier errichtet wurde. Schon im Jahre 1927 hatten die wenigen in Roßtal ansässigen katholischen Familien in der Felsenstraße eine ehemalige Scheune in eine Kapelle umgebaut, in der im Abstand von Wochen, versorgt von der Pfarrei Heilsbronn, Gottesdienste gefeiert wurden. Auch für die Flüchtlinge und für die Vertriebenen, die in einem Barackenlager unweit Roßtal, in Raitersaich, Zuflucht fanden, war vom Jahre 1948 an bis zur Auflösung des Lagers Mitte der 50er Jahre eine mit bescheidensten Mitteln ausgestattete Notkirche errichtet worden.

Es ist der Energie und der Schaffenskraft des im Jahre 1946 von der Diözese Eichstätt nach hier versetzten Aushilfspriester Josef Zankl zu verdanken, daß, wenn auch unter großen finanziellen Opfern und mit der tatkräftigen Mitarbeit von Frauen, Männern und Jugendlichen, schon im Jahre 1951 diese das Patrozinium Christkönig tragende Pfarrkirche entstehen konnte.

Wenige Jahre später folgte eine Schwesternstation und ein Kindergarten, im Jahre 1959 der Bau einer Filialkirche in Clarsbach und Anfang der 70er Jahre die Errichtung eines Pfarrzentrums.

Unsere Christkönigkirche ist im Stile der Jahre kurz nach dem Ende des Krieges gebaut und besticht durch ihre einfache schlichte Form. Dem Architekten Dr. Leonhard, Nürnberg, gelang es, den Gedanken, daß das „wandernde Volk Gottes“ keine Bleibe auf Erden hat, in ein Bauwerk umzusetzen; steil, einem Zelte gleich, ist das Dach gestaltet, schmucklos, einfach und klar die Fassade gegliedert.

Die künstlerische Ausschmückung, die sich nach der Errichtung des Gebäudes über Jahre hinzog, übernahm der Nürnberger Künstler Herbert Bessel. Er schuf das Fresko an der Chorwand, die beiden Seitenaltäre sowie den Kreuzweg. Die Fa. Kuch in Burgthann übernahm die Bearbeitung des keramischen Materials.

Der Besucher der Kirche wird besonders durch das über dem Altar im Chorraum eindrucksvoll wirkende Fresko angesprochen.

Dem Kunstwerk liegt der Text des Matthäus-Evangeliums Kap. 25, 31-46 zugrunde: Dominierend ist die Darstellung des Christkönigs auf dem Throne über dem Erdenrund. Zu seiner Rechten sind die sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit sichtbar: Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Kranke besuchen, Nackte bekleiden, Gefangene erlösen und Tote begraben. Zu seiner Linken, unter den sieben Engeln mit dem Feuerschwert, sind die sieben Hauptsünden dargestellt: Hoffart, Neid, Zorn, Geiz, Unkeuschheit, Unmäßigkeit und Trägheit. Über dem thronenden Christus rufen die sieben Posaunen zum Weltgericht, dessen Zeugen die vier Evangelisten sind, abgebildet in ihren Symbolen: Adler für Johannes, Stier für Lukas, Löwe für Markus und der Engel für Matthäus.

Wenden wir uns nun den Seitenaltären zu:

Josefsaltar

Der rechte Seitenaltar ist dem Hl. Josef geweiht. Josef, der als der Schutzherr der Kirche gilt, hält, symbolhaft für alle Kirchen, das Modell der Peterskirche in Rom in seinen Händen. Er ist die zentrale Figur des dreiteiligen, aus Keramik gefertigten Kunstwerkes. Die linke Seite zeigt von oben nach unten Szenen aus dem Leben der Heiligen Familie, und die rechte Seite bezieht sich auf die Schutzfunktion des Hl. Josef für die lebende Kirche. Von oben nach unten sind in wenigen Attributen die „schweigende“, die verfolgte Kirche, darunter die Sorge um die Einheit der Kirche und weiter die Bitte um die Bewahrung des Glaubens dargestellt.

Der Marienaltar auf der linken Seite ist im Aufbau und im Material dem Josefsaltar entsprechend. Den Mittelpunkt des Kunstwerkes bildet die Mutter des Erlösers mit dem Kinde. Das linke Drittel des Altarbildes zeigt die Vertreibung aus dem Paradies; die Lilie, Symbol für Maria, der neuen Eva, durchbohrt den Kopf der Schlange, die das Böse versinnbildlicht. Die nächstfolgende Schilderung zeigt, bildhaft umgesetzt, die Prophezeiung Jesajas: Wurzel, Reis und Blüte einer Rose und den Schluß des linken Seitenteiles bildet die Darstellung der Verkündigung Mariens durch den Engel Gabriel. Die rechte Seite des Altarbildes weist auf geschichtliche Ereignisse hin, die im Bezug zur Mutter des Herrn stehen. Vor dem Hintergrund eines sinkenden Schiffes kniet Papst Pius V., wie der Rosenkranz andeuten soll, den Beistand Mariens erflehend gegen den Ansturm der Osmanen. Das Datum 7. 0ktober 1571 und das sinkende Schiff mit dem Halbmond verweisen auf die Seeschlacht von Lepanto, die mit der Vernichtung der osmanischen Flotte endete und so das christliche Abendland rettete. Die Glocke verkündet den Sieg. Die folgende Szene trägt die Jahreszahl 1858 und deutet auf das Jahr der Marienerscheinung in Lourdes; vor der Grotte, dem Ort der Erscheinung, kniet ein von der Krankheit Heilung suchender Mensch. Als letzte abstrahierte Abbildung ist die Marienerscheinung in Fatima zu erkennen, die letztmalig am 13. 0ktober 1917 geschah. Jugendliche, die diese Begegnung hatten, wurden zum Beten aufgefordert, um das Unheil abzuwenden, das der Welt mit dem Bösen aus dem Osten droht, symbolisiert mit der Darstellung eines Drachen. Die Jahreszahl 1917 soll deshalb nicht nur das Jahr der Erscheinung, sondern auch den Beginn der Revolution in Rußland anzeigen.

Marienfigur mit dem Kinde

Eine Besonderheit, wenn hier auch nur als Abguß, stellt die an der Trennwand zum Chor auf einem Sockel stehende Marienfigur mit dem Kinde dar. Das Original dieser Steinplastik, die vor der Reformation, innen oder außen, die St.-Laurentius-Kirche hier zierte, kam im Jahre 1879 an das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg, wo sie sich auch heute noch befindet.

Das Thema der Darstellung ist die Krönung Mariens; das Original des Kunstwerks stammt etwa aus dem Jahre 1320 und wird einem Künstler der Sebalder Bauhütte in Nürnberg zugeschrieben.

Im Jahre 1991 konnte, dank des Entgegenkommens der Direktion des genannten Museums, die Genehmigung für die Fertigung eines Abgusses, der für die evangelische Kirche bestimmt war, erwirkt werden.

Knapp zwei Jahre später erhielt, ermöglicht durch einen anonym gebliebenen Stifter, auch die katholische Pfarrei eine Nachbildung.

Da beim Original der Kopf des Christuskindes verlorenging, wurde dieser beim 2. Abguß ergänzt. Außerdem konnte, da am Original noch Farbspuren eine Bestimmung der ursprünglichen Fassung ermöglichten, die hier aufgestellte Marienfigur mit dem Kinde farblich dem Urzustand nahegebracht werden.

Den Abguß fertigte die Fa. Strattner, ein Steinmetzbetrieb in Ammerndorf, und die farbliche Gestaltung die Fa. Wiedl, Kirchenrestauratoren, in Nürnberg.

An den beiden Seiten des Kirchenschiffes fallen dem Besucher die sich mit ihren Goldgrund vom Weiß der Wände abhebenden Stationen des Kreuzweges auf. Einfach aber eindringlich ist die Leidensgeschichte Christi auf 14 Keramikplatten dargestellt und nach dem 2. Vatikanischen Konzil wurde der Kreuzweg um eine 15. Station, die Auferstehung darstellend, erweitert. Weitere Werke des Nürnberger Künstlers Herbert Bessel sind die musizierenden Engel über dem Eingang zur Orgelempore und die Darstellung der Hirsche an der Wasserquelle (Psalm 42, 2) über der Tür zur Taufkapelle. Einen nicht unerheblichen Anteil an den beschriebenen Kunstwerken, das Fresko ausgenommen, hatten die mit der handwerklichen Umsetzung der Entwürfe des Künstlers beschäftigten „Handwerker“ der Fa. Kuch in Burgthann, die sich schlicht „Töpfer“ nennen. Wie schwierig die Herstellung eines gleichmäßigen „Brandes“ der Keramikplatten war, konnte erst nachempfunden werden, als es darum ging, Jahre später, die 15. Kreuzwegstation den bereits vorhandenen Stationstafeln anzupassen.

Figur des auferstandenen Christus

In der kleinen schlichten Taufkapelle fällt das Auge auf eine barocke Figur des auferstandenen Christus, deren Herkunft nur noch wenigen Pfarrangehörigen bekannt sein dürfte und die einen Kontrast zur Kunstausstattung der Kirche bietet. Die Figur stammt aus der Pfarrei Lutzmannstein, in der Nähe von Hohenfels in der Oberpfalz. 1951 mußte diese Gemeinde wegen der Erweiterung des Truppenübungsplatzes durch die Amerikaner ihr Dorf und ihre Kirche aufgeben und wurde umgesiedelt. Heute stehen dort nur noch Ruinen als Zeugen militärischer Übungstätigkeit. Bei der Aufgabe des Kircheninventars in Lutzmannstein erhielt die junge Pfarrei Roßtal die Orgel von dort, die zwischenzeitlich schon ersetzt wurde und u. a. auch diese Figur des Auferstandenen.

Mit dieser letzten Erklärung ist der Rundgang durch die Kirche beendet. Das Gotteshaus sollte jedoch nicht nur als Ausstellungsraum moderner sakraler Kunstauffassung erlebt werden. Die Stille des Raumes, seine Schlichtheit lädt uns zum Nachdenken ein, zum Nachdenken über die opferfreudige Arbeit der Generation, die dieses in schwerer Zeit geschaffen hat, aber auch zum Nachdenken über uns selbst und über den, wie es im Psalm 117 steht, dessen Gnade und Wahrheit über uns in alle Ewigkeit waltet.

Alfred Steinheimer, April 1996

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