Ein Gruß an Vogtin Pauli
Großer Festakt zur 1050-Jahrfeier in Roßtal Viel Politprominenz
VON GERHARD LAUCHS
ROSSTAL - Mit einem Festakt auf dem Marktplatz von Roßtal haben die Feierlichkeiten zur ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes vor 1050 Jahren einen ersten Höhepunkt erreicht. Zuvor waren ein neuer archäologischer Rundwanderweg und eine archäologische Ausstellung im Heimatmuseum eingeweiht worden.
Gut 800 Besucher etliche davon, weil die Stühle nicht ausreichten, im Stehen verfolgten den gut zweistündigen Festakt mit viel politischer Prominenz. Darunter Bayerns Innenminister Günther Beckstein, der sich auch ins Gästebuch des Marktes eintrug, Landrätin Gabriele Pauli, Bezirkstagspräsident Richard Bartsch und die Bürgermeister von fast allen 14 Landkreisgemeinden. Beckstein wünschte in seiner Geburtstagsrede dem Markt, dass er weiterhin engagierte Bürger hat, um das Gemeinwesen nach vorne zu bringen. Roßtal ist eine Wachstumsgemeinde. Dabei seien jedoch nicht Ellenbogen, sondern die Solidargemeinschaft gefordert.
Komplimente sprach auch Landrätin Gabriele Pauli der Gemeinde aus. Roßtal, Du siehst viel jünger aus, als Du bist, meinte sie in ihrem Grußwort. Trotz der langen Tradition sei der Markt ein lebendiges Gemeinwesen geblieben, das nicht zuletzt von seinen vielen engagierten Vereinen profitiere.
90 Vereine
Gut 90 Gruppierungen aus den Bereichen Kultur, Sport, Gesellschaft und Politik gibt es derzeit in der 10000-Einwohner-Kommune. Viele davon waren zum Festakt mit ihren Fahnen auf dem Marktplatz gezogen. Für Farbtupfer ganz besonderer Art sorgten freilich 44 Mitglieder des Kaiserspiels aus Langenzenn, die mit Kaiser Otto hoch zu Ross an der Spitze auf den Roßtaler Marktplatz einzogen. Majestät verteilte später artig Grußadressen an Vogtin Pauli, Truchsess Beckstein und Schultheiss Gaul, den Bürgermeister Roßtals, Maximilian Gaul.
Wie neuere Ausgrabungen unter anderen durch den Archäologen Thomas Liebert ergeben haben, war die urbs horsadal im frühen Mittelalter Jahrhunderte vor der Besiedlung Nürnbergs und Fürths eine der wichtigsten Befestigungs- und Wohnanlagen in weitem Umkreis. Liebert nimmt an, dass Roßtal bereits zur Zeit Kaiser Karls im 8. Jahrhundert gegründet wurde und dann über Jahrhunderte Mittelpunktsfunktion hatte. Erwähnt wurde die urbs dann allerdings erstmals am 17. Juni 954, als an den Befestigungen eine Schlacht zwischen König Otto und seinem abtrünnigen Sohn Liudolf stattfand. Nach Aufzeichnungen des sächsischen Mönches Widukind tobte an den Mauern ein erbittertes Gemetzel, wie es wohl noch kein Sterblicher je gesehen hat.
Wie bedeutsam der Ort damals war, belegt Liebert zufolge auch die an der Zahl der Bewohner gemessen riesige Kirche. Das Gotteshaus war immerhin größer als der erste Bamberger Dom. 1328 erhält Roßtal das Stadtrecht und in dem Zusammenhang eine eigene Gerichtsbarkeit sogar Todesurteile durften gesprochen und vollzogen werden , und ein Marktrecht. Nachzuvollziehen ist die Entwicklung der frühmittelalterlichen Gemeinde auf neun Schautafeln entlang eines archäologischen Rundwanderwegs, der jetzt im Rahmen des Ortsjubiläums eingeweiht wurde.Wassermangel
Dass aus horsadal nicht eine große Stadt wurde, hängt nach Liebert mit etlichen Faktoren zusammen: Einerseits fehlte es an Wasser für weiteres Wachstum. Zudem verlor der Ort viele Einwohner durch Pest und vor allem durch die Soldateska im 30-jährigen Krieg. 667 Menschen kamen damals ums Leben.
1821 zogen 100 Roßtaler Bürger die Konsequenzen. Aus fiskalischen Gründen beantragten sie beim jungen bayerischen Königreich, das Stadtrecht aberkannt zu bekommen.
Geld hat die Gemeinde angesichts der allgemeinen Finanzmisere der Kommunen auch heute nicht allzu viel. Von sich reden macht die Marktgemeinde indes dennoch sogar auf europäischer Ebene. Das Engagement des Marktes hat auch den Europarat beeindruckt: Als erste Kommune im Landkreis wurde sie mehrmals ausgezeichnet und mit der Europafahne geehrt. Und darauf sind wir mächtig stolz, so Bürgermeister Gaul.
Quelle: Fürther Nachrichten Samstag/Sonnatg, 19./20. Juni 2004, Seite 5| [Seitenanfang] |
