Schlichte Zeugen der Blütezeit von einst
Die archäologische Dauerausstellung in Roßtal zeigt und erklärt historische Funde von „urbs horsadal“
Robby, der neuesten Erkenntnissen zufolge kein Er sondern eine Sie ist, hat Gesellschaft bekommen. Lagen die Gebeine der 1988 entdeckten Missetäterin bislang ziemlich einsam im Kellergewölbe des Heimatmuseums, ist die letzte Ruhestätte des Skeletts, das der Volksmund Robby taufte, nun um etliche Exponate reicher: Gestern Abend wurde die neu konzipierte Dauerausstellung im Rahmen des Festaktes zum 1050-jährigen Jubiläum Roßtals eröffnet.
ROSSTAL - Ein scharfer Geruch nach Lösungsmitteln hängt in der Luft. Die sechs Vitrinen unterm Tonnengewölbe haben gerade noch rechtzeitig ihre Lackschicht erhalten. Sie bergen zwei Modelle von „urbs horsadal“, wie es sich präsentierte, als es politisches, militärisches und religiöses Zentrum der Region war. Potenzielle Angreifer brüskierte die karolingisch-ottonische Reichsburg in ihrer Frühzeit mit einer Trockenmauer, später, etwa im 10. Jahrhundert, mit einer massiven Steinbarrikade und bastionsartigen Vorbauten. Die Modelle des Münchners Friedrich Höchsmann offenbaren, wie schlicht und bescheiden man lebte, zu Zeiten, als Roßtal seine Blüte erlebte.
Urbs horsadal im Kleinformat wird ergänzt von exemplarischen Exponaten aus einem großen Schatz an Roßtaler Grabungsfunden der vergangenen Jahrzehnte. Alles, was seit 1962 geborgen wurde, hat der Archäologe Thomas Liebert in den Depots der archäologischen Staatssammlung München gesichtet. Dort lagerten die Funde wie sie eingeliefert worden waren: Weder katalogisiert, noch präpariert, geschweige denn restauriert. Mehrere Tausend Tonscherben, Knochenstücke oder Metallgegenstände klaubte Liebert durch. Brösel der Vergangenheit, die der Laie möglicherweise achtlos liegen ließe, würde er sie beim Graben im eigenen Garten finden.
Nur dem Mittelalterforscher geht angesichts solcher Relikte aus einer anderen Zeit das Herz auf. Weil sie, wie Liebert sagt, belegten, dass urbs horsadal nicht nur ein militärischer Standort sondern Schauplatz prallen Lebens und zudem weit früher besiedelt war, als es das urkundlich belegte „Geburtsdatum“ nahe legt.
„Oft genug sind es tatsächlich die unscheinbarsten Gegenstände, die uns am meisten sagen“, erklärt Liebert. Etwa ein unförmiger Lehmbatzen, der einst dazu diente, die hölzerne Hütte gegen den Wind abzudichten. Oder Keramikreste: Über die Töpferkunst dereinst ist viel bekannt, so dienen die Scherben als wichtige Anhaltspunkte für Datierungen. Und die Riemenzunge einer Sporengarnitur aus dem 8. Jahrhundert, aufwendig mit unterschiedlichem Metallen verziert, ist ein klarer Beleg für reich begüterte Oberschicht vor Ort, denn nur die konnte sich den Luxus von Reitpferden leisten. Schließlich war ein Ross Nahrungskonkurrent für den Menschen.
Den kulturgeschichtlichen Wert der schlichten Zeugnisse von anno dazumal zu verdeutlichen und verständlich zu transportieren, was sie dem Wissenschaftler verraten, war Aufgabe des Ausstellungsmachers Liebert. Er hat sie nach Ansicht seines Auftraggebers, Bürgermeister Maximilian Gaul, bestens gemeistert.
„Allzeit bereit“
Liebert hat die Schau in sechs Themenkomplexe gegliedert. Unter griffigen Schlagzeilen wie „Allzeit bereit“ kommentieren Textfahnen beispielsweise die Überbleibsel militärischen Equipments. Das Kapitel „Die Tupperware des Mittelalters“ unterstreicht den Wert von Keramik als Koch- und Aufbewahrungsgeschirr des Alltags.
Wer die Ausstellung hinter sich lässt, kann noch einen Schwenk machen zum neuen Klostergarten im Museumshof. Dort weht dem Zaungast ein ganzer Strauß an würzigen Düften nach Katzenminze, Fenchel, Liebstöckel oder Ambrosia entgegen. Neuzeitlich mit Buchsbaum begrenzt hat Gärtner Georg Fröschl in zwölf Beeten angepflanzt, was Walahfried Strabo, von 838 bis 849 Abt in Reichenau, in einem Gedicht als typische Kräuter eines frühmittelalterlichen Gartens nannte.
Tiefer einsteigen in Mystik und Symbolik, die die Gartenanlage über die Pflanzen hinaus birgt, kann der Besucher anhand der Informationstafel am Rande. Sie ist eine von neun Tafeln des archäologischen Lehrpfads, der wie der Garten selbst gestern Abend feierlich eröffnet wurde und eine weitere Chance bietet, tiefer in die Frühgeschichte Roßtals abzutauchen.
Zu sehen ist die Dauerausstellung künftig jeden 1. Sonntag im Monat sowie nach Voranmeldung unter Telefon (0 91 27) 95 34 87 und natürlich während der Feste, die das Jubiläum begleiten; so auch am Sonntag, beim Marktplatzfest der Vereine, oder beim archäologischen Wochenende vom 10. bis 11. Juli.
SABINE DIETZ
Quelle: Fürther Landkreisnachrichten 18. Juni 2004 Seite 3![]() | ![]() |






