Grußwort des 1. Bürgermeisters zum Martinimarkt 2005
Unser Roßtal besitzt die ältesten Marktrechte im heutigen Landkreis Fürth. Die „urbs horsadal“, die mit Mauern umgebene mittelalterliche Stadtburg war im Jahre 954, also gegen Ende des 1. Jahrtausends, eine wirklich bedeutende Ansiedlung in unserer Region. Wir wissen ganz sicher, dass das mittelalterliche Roßtal damals nicht nur eine Militäranlage war, sondern eine parzellierte Burgsiedlung, in der verschiedene Handwerker ihrer Arbeit nachgingen. Und ganz sicher wurde auch in dieser alten Stadtburg bereits Handel getrieben. Damit war Roßtal eben eine richtige mittelalterliche Stadt. Unser Martinimarkt findet auch mehr als 1050 Jahre später genau dort statt, wo sich die alte urbs horsadal befand. Die neue archäologische Sammlung sowie der Rundweg zeugen beredt davon.
Die urkundlichen Stadtrechte sind allerdings jünger. Unsere Stadtrechte wurden zu Rom ausgefertigt, wo sich der Wittelsbacher Ludwig der Bayer zur Kaiserkrönung befand. Er verlieh seinem treuen Gefolgsmann, dem Burggrafen von Nürnberg, dem damals Roßtal gehörte, am 22. April 1328 die Stadtrechte für Roßtal. Es ist vielleicht auch die Zeit, in der das mittelalterliche Roßtal nach den Zerstörungen im ausgehenden ersten Jahrtausend wieder einmal als Gemeinwesen ein wenig aufblühte.
In einer beispiellosen Abstimmung votierten dann zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Roßtaler Bürger mit 110 zu 1 Stimmen, die Stadtrechte und damit die Magistratsverfassung aufzugeben. Sie ließen sich zur Ruralgemeinde (Dorfgemeinde) abstufen. Nur auf Drängen der Regierung behielt Roßtal aber wenigstens die Marktrechte. Heute sind wir darüber dankbar, denn der Martinimarkt steht dadurch in dieser jahrhundertelangen Markttradition.
Auch, wenn es überall schon von „Weihnachtsmännern“ wimmelt, aber der Martinstag war immer ein Erntedankfest. Der Roßtaler Martinimarkt ist deshalb ein echter Herbstmarkt, kein vorgezogener Weihnachtsmarkt. Vor der langen 40-tägigen Fastenzeit vor dem Hochfest Weihnachten genossen die Menschen zudem kräftig und dankbar alles, was Küche und Keller zu bieten hatte und erfreuten sich bei Musik und Tanz, bevor dann „Schmalhans Küchenmeister“ wurde. Hinzu kommt bei uns im Fränkischen nach der Reformation auch der Brauch auf, Kinder am Namenstag des Reformators D. Martin Luther zu beschenken.

Heidnisches und christliches Brauchtum vermischt sich in der Gestalt des Roßtaler Pulzermärtels, einer Perchtgestalt. Er ist damit alles andere als ein „Weihnachtsmann“. An dieser Perchtgestalt aus dem herbstlichen Wald halten die Roßtaler auch fest, und so kommt der „Pulzermärtel“ (hochdeutsch auch Pelzmärtel) am Sonntagnachmittag um 14.00 Uhr auf den Roßtaler Marktplatz zu den Kindern, um ihnen das beliebte Roßtaler Schmalzgebäck, die Martinerli, zu bringen. Schmalzgebäck wurde schon in alter Zeit am Martinstag verschenkt. Im Teilen und Schenken steht der Martinimarkt auch in der Tradition des Heiligen Martin von Tours, dessen Gedenktag der 11. 11. ist.
Der Martinimarkt als einzig übrig gebliebener Markt aus der mehr als 675-jährigen Markttradition weist Roßtal als einen reichsgeschichtlich interessanten Ort aus, der sich seinen Gästen gerne öffnet.
In unserer Zeit steht Roßtal erneut vor einer marktpolitischen Herausforderung. Im Jahre 1978 wurde es als Kleinzentrum eingestuft und steht jetzt, mit über 10.000 Einwohnern, vor der Einstufung als Unterzentrum. Unterzentren besitzen eine erhebliche Bedeutung, um eine flächendeckende Versorgung mit Gütern des regelmäßig wiederkehrenden Bedarfs zu gewährleisten. Es ist und bleibt Aufgabe der Kommunalpolitik, diese Vorgaben des Landesentwicklungsplans umzusetzen. Aus diesem Grunde freut es uns auch, dass der Gewerbeverband Roßtal alljährlich anlässlich des Martinimarktes eine abwechslungsreiche und gut sortierte Gewerbeschau in repräsentativer Umgebung veranstaltet.
Erleben Sie die besondere Atmosphäre eines schmucken fränkischen Marktfleckens, in dem es sich zu leben und zu wohnen lohnt. Roßtal hat gewaltige Anstrengungen unternommen, um sein historisches Erbe zu bewahren und städtebaulich zu sanieren. Der Museumshof bietet für historisch interessierte Gäste einen exemplarischen Einblick. Die Gewerbeschau in der Grundschule zeugt von der Leistungsfähigkeit des heimischen Gewerbes. Der Markt rund um das Wahrzeichen Roßtals, die altehrwürdige Laurentiuskirche mit der romanischen Krypta, steht in der mehr als 675-jährigen Tradition als Marktflecken und der mehr als 1050-jährigen Geschichte als besiedelter Ort, die Sozialmesse und die Ausstellungen im Rathaus zeugen von einer lebendigen, diskussionsfreudigen und engagierten Bürgergesellschaft im heutigen Roßtal.
In diesem Sinne herzlich willkommen zum Martinimarkt 2005 in Roßtal.
Ihr Maximilian Gaul
Erster Bürgermeister
