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Markt Roßtal

Landkreis Fürth

Mittelfranken

Bayern

Deutschland
Markt Roßtal
Marktplatz 1

90574 Roßtal
Deutschland

Göttlich zeitlos und aktuell

Roßtal, wie es singt und schmachtet: „Jesus Christ Superstar“

Foto
Hippies im Landkreis:
Die Roßtaler Chöre waren beim Rockopern-Gemeinschaftsprojekt
in St. Laurentius mit Inbrunst bei der Sache.
Foto: Thomas Scherer

Eine brechend volle Kirche bis hinauf zur zweiten Empore schon eine halbe Stunde vor Beginn und frenetischer Beifall mit Bravorufen: das wünscht sich wohl jeder Pfarrer auch einmal für seinen Gottesdienst. Beides ereignete sich bei einem außergewöhnlichen Konzert in der Roßtaler St.-Laurentius-Kirche mit „Jesus Christ Superstar“.

Dass der Inhalt von Andrew Lloyd Webbers Rockoper an Aktualität und die Musik an Attraktivität mehr als 30 Jahre nach der Uraufführung nichts eingebüßt haben, wurde hier deutlich, obwohl Andrea Sauer, die die Gesamtleitung hatte, das Werk für Sprecher, Chöre und Blasorchester neu arrangiert hatte. Aus den Vokalsoli wurden Sprechszenen, beim Song des Herodes sogar ein Chorsatz, aus der Rockband ein Blasorchester.

Die neu zusammengestrickte Handlung endet auch nicht wie im Original mit der Kreuzigung Jesu, sondern mit dem die Auferstehung versinnbildlichenden „Hosanna“ des Palmsonntags, theologisch erläutert von Pfarrer Jörn Künne.

Dass die Aufführung mit Laiensängern und -musikern ein schönes, erinnernswertes Ereignis wurde, ist in erster Linie ein Verdienst der Dirigenten Sauer und Norbert Straub, die die Vokalisten und Instrumentalisten mit exaktem Dirigat zu einer geschlossenen Gesamtleistung führten.

Schlagzeug-Drive

Schon in der Ouvertüre erwies sich der Musikzug Roßtal unter Straubs Leitung als Klangkörper im Stil einer Big-Band: Rhythmisch exakt, intonationssicher sowie mit einer versierten Schlagzeugcrew, die für Drive sorgte. Fetzig erklang das Hauptthema quasi als Titelsong. Auch im Verlauf des Abends erwies sich der Musikzug als sichere Klangstütze für die Chöre. Der Jugendchor Roßtal Licence to sing und der Gemischte Chor Lyra traten nicht nur musikalisch, sondern auch szenisch auf, so beim Einzug in Jerusalem mit Palmwedeln und als Darsteller der Jünger Jesu und der Volksmasse. Glanzlichter waren der Song des Herodes mit dem Einsatz der Tenöre, dem der Gesamtchor folgte, und das Lied „Superstar“, in dem Jesus verspottet wird.

Stimmungsvoll auch „Pilatus' Traum“ mit dem Männerchor und den Flöten sowie das innige „Letzte Abendmahl“, das die Chöre ohne Text, nur von der Gitarre begleitet, in der dunklen Kirche sangen.

Überzeugend auch die Sprecher der Hauptpersonen, die die Dialoge zwischen den Musikstücken gestalteten: Peter Seidel als Jesus, Jörn Künne als Judas, Maximilian Gaul als Pilatus und Judith Martin-Popp als Magdalena, deren intime Beziehung zu Jesus angedeutet wurde.

Aus der Begeisterung heraus zwar verständlich, aber den Gesamteindruck empfindlich störend waren der Beifall nach jeder Einzelszene und die Dankesworte am Schluss der Aufführung; der Abschluss dieses gewagten Großprojekts mit dem schwungvollen Hosanna-Chorsatz als Ausklang wäre doch weit wirkungsvoller gewesen.

GÜNTER GREB

Quelle: Fürther Nachrichten vom 1. November 2006

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