Geflügelpest - Stallpflicht für Geflügel im Landkreis Fürth

Vogel

Zum Schutz der Geflügelbestände wird für den Landkreis Fürth eine Stallpflicht für Geflügel (Hühner, Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasanen, Laufvögel, Wachteln, Enten und Gänse, die in Gefangenschaft aufgezogen oder gehalten werden) angeordnet.


Geflügel muss ab sofort in geschlossenen Ställen gehalten werden. Alternativ kann Geflügel unter Vorrichtungen gehalten werden. Diese müssen dann aber aus einer überstehenden, nach oben gegen Einträge gesicherten dichten Abdeckung und einer gegen das Eindringen von Wildvögeln gesicherten Seitenbegrenzung bestehen. Die Allgemeinverfügung für die Stallpflicht ist auf der Homepage des Landkreises Fürth veröffentlicht. Darin finden Geflügelhalter auch hilfreiche Informationen zur zusätzlichen Aufzeichnungspflicht. Den Wortlaut der Allgemeinverfügung finden Sie hier.

 

Im Hinblick auf die bestehende Gefahr und die Belange der Tierseuchenbekämpfung erteilt das Landratsamt Fürth grundsätzlich keine Ausnahmegenehmigungen von der Stallpflicht – unabhängig von Betriebsgröße oder Landkreisregionen.

 

Zur Begründung fügt das Landratsamt Fürth an:
Am 03.03.2021 wurde nachgewiesen, dass das Virus der Geflügelpest (HPAI) in einem Hausgeflügelbetrieb in Nordbayern mit über 50.000 Tieren, trotz der dort vorhandenen, hohen Biosicherheitsmaßnahmen eingedrungen und diese Tierseuche somit ausgebrochen ist. Dieses verdeutlicht die Gefahr, der die einheimischen Hausgeflügelbestände aktuell ausgesetzt sind.
Eine Beschränkung der Aufstallung nur auf größere Betriebe macht ebenso wenig Sinn, da gerade in Ober-, Mittel- und Unterfranken in Betrieben mit geringen Tierzahlen die Geflügelpest nachgewiesen wurde. In diesen Betrieben konnten Ansteckungsfaktoren wie Zugang von neuen Tieren, Kontakt zu betriebsfremden Personen etc. ausgeschlossen werden, so dass bei allen die Ansteckung über Wildvögel bzw. deren Ausscheidungen erfolgt sein muss.
Die Fallzahlen und das Verteilungsmuster des Erregers der HPAI bei Wild- und Hausgeflügel zeigt außerdem eine flächendeckende Verbreitung in ganz Bayern. Gerade in den letzten Wochen wurden vermehrt tote Wildvögel mit positiven Befunden auch in Nordbayern aufgefunden.
Der Frühjahrsvogelzug nordischer Wasservögel hat in diesem Jahr im Februar eingesetzt und wird noch über die nächsten Wochen zu starken Wanderbewegungen dieser Tiere innerhalb Europas (aus westlichen und südwestlichen in östliche und nordöstliche Richtungen, z.B. bei Gänsen, Schwänen, Enten, Tauchern) führen. Die körperliche Schwächung der heimischen Wildvögel durch den langen und kalten Winter 2021 bzw. der hohe Energieverbrauch im Rahmen des Vogelzuges bei Tieren, die sich in im Landkreis Fürth nur temporär aufhalten, führt zu einer hohen Attraktivität von Hausgeflügelhaltungen und deren direkte Umgebung für solche o.g. Wildvögel (Ruheplatz, Futterangebot usw.).
Aufgrund des Frostes in den vergangenen Wochen haben sich die Vögel in der Breite niedergelassen und beschränken sich nicht nur auf Risikogebiete mit bekannten Rastplätzen, sondern haben auch kleinere fließende Gewässer, die nicht zugefroren waren, aufgesucht.
Wildlebendes Wassergeflügel wie Gänse oder Schwäne sind des Weiteren meist vor klinischem Ausbruch lange Zeit Ausscheider des Erregers. Eine Beschränkung von Risikogebieten auf bestimmte Landschaftsteile ist zudem aus zwei Gründen im aktuellen Seuchenzug nicht möglich:
Erstens sind die Ruhe- und Futterplätze dieser o.g. Wasservogelarten (Gänse, Schwäne etc.), sowie das Zug- und Strichgebiet nicht auf größere stehende Gewässer oder breite Fließgewässer beschränkt. Zweitens sind gerade in diesem Seuchenzug 2020/2021 auch Wildvogelarten betroffen, deren regelmäßiger Aufenthaltsort gerade nicht in Gewässernähe zu finden ist, wie z.B. Tag- und Nachtgreifvögel.
Die Wahrscheinlichkeit der Futtersuche oder des Überfliegens und Abkotens durch Wildvögel ist hier sehr hoch.


Hintergrund ist die Ausbreitung der Geflügelpest (HPAI) – auch Vogelgrippe genannt – in der Wildvogelpopulation. In Nordbayern, auch Mittelfranken, sind mittlerweile auch Nutztierbestände betroffen. Durch die Stallpflicht und die konsequente Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen soll der Kontakt zwischen Wildvögeln und Haus- und Nutzgeflügel vermieden und so eine Einschleppung in weitere Geflügelhaltungen verhindert werden.


Eine Ansteckung des Menschen mit dem Erreger über infizierte Vögel oder deren Ausscheidungen ist in Deutschland bislang nicht bekannt geworden.

Tot aufgefundene Vögel sollten dennoch nicht angefasst werden. Der Fund insbesondere von Wasser- und Greifvögeln sollte stattdessen dem Veterinäramt des Landkreises Fürth unter der Rufnummer 0911 – 9773 1901 gemeldet werden.
Außerhalb der Öffnungszeiten kann der Fund der Polizeiinspektion Stein (Stadt Stein, Stadt Oberasbach und Markt Roßtal) unter der Rufnummer 0911 – 967 82 40 bzw. der Polizeiinspektion Zirndorf (restlicher Landkreis) unter der Rufnummer 0911 – 96 92 70 gemeldet werden. Die Vögel werden durch das Veterinäramt zur Untersuchung gebracht, um einen Überblick über das Seuchengeschehen zu behalten.

 

Aktuelle Informationen zur Geflügelpest in Bayern sowie ein Merkblatt für Geflügelhalter sind auf der Seite des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (www.lgl.bayern.de) unter dem Stichwort "Geflügelpest" verfügbar.

 

(Stand: 09.03.2021; aktualisiert am 26.03.2021)

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